Von Washington nach Gummersbach

Gummersbach – Das Jügel-Aquarell aus dem Jahre 1807 kehrt nach 60 Jahren als Schenkung der Familie Elmendorf zurück in die Kreisstadt und findet seinen Platz im Ratssaal.

Für manchen mag es nur ein schönes Gemälde sein, doch die Bedeutung dieses Aquarells für Gummersbach ist aus geschichtlicher Sicht und gelebter Heimatverbundenheit geradezu einzigartig. Henriette Jügel war eine Malerin, die ihrer in Gummersbach verheirateten Schwester zu Beginn des 19. Jahrhunderts folgte. Schwärmerisch berichtete sie über ihre neue Heimat, war fasziniert von der Reinheit der Natur, der Ursprünglichkeit, die sie inspirierte. So brachte sie im Jahr 1807 den Kern des damals noch dörflichen Charakter tragenden Gummersbachs – das Baumhof-Ensemble – auf die Leinwand.

Nach dem Tod der Malerin trat das Bild eine wahre Odyssee an, wurde mehrfach vererbt, ehe es vor 60 Jahren vom amerikanischen Ehepaar Armin und Laura Elmendorf bei einem Besuch in der alten Heimat entdeckt und erworben wurde.

 

Seit dieser Zeit hatte das Aquarell seinen Platz in der Familie, zuletzt bei A. Edward Elmendorf, dem Sohn der Käufer. In Washington, zwei Kilometer vom Weißen Haus entfernt, hing es im Eingangsbereich der Wohnung, die der ehemalige Mitarbeiter der Weltbank mit seiner Frau teilt. Häufig besuchte Elmendorf das Land seiner Vorfahren und kam dabei mit dem Gummersbacher Historiker Jürgen Woelke in Kontakt, der seit Jahren nach dem Verbleib des Gemäldes geforscht hatte. “Im Laufe meiner Gespräche mit ihm bin ich auf die Idee gekommen, das Aquarell der Stadt zu übergeben, in der die Wurzeln der Malerin liegen”, erklärte Elmendorf zu Beginn der heutigen Ratssitzung, als die Schenkung feierlich übergeben wurde.

Gummersbachs Bürgermeister Frank Helmenstein bezeichnete den heutigen Tag als einen Glücksfall für seine Stadt. “Wir sind Zeugen einer stadtgeschichtlichen Sensation.” Es sei eine großherzige Geste der Familie Elmendorf, das Gemälde zurückzuführen und zeige auch die tiefe Verbundenheit zur Heimat der Väter. Der Rathauschef dankte Jürgen Woelke, der Sparkassen- und Bürgerstiftung mit Frank Grebe sowie Astrid Braunschweig, ohne die eine Heimkehr des Jügel-Bildes nicht möglich gewesen wäre.

Neben zahlreichen Gästen wohnten auch viele Familienmitglieder Elmendorfs der Feierstunde bei und wurden Zeuge, wie sich das amerikanische Ehepaar am Ende der Zeremonie ins Goldene Buch der Stadt eintrugen.

Artikel aus Oberberg-Aktuell vom 24.06.2015

 

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